Chevrolet Corvette – Amerikas Sportwagen Nr. 1.
1993 ging der lang ersehnte Wunsch nach einem solchen Auto in Erfüllung. Wir „fraßen“ uns durch sämtliche Fachzeitschriften auf der Suche nach einer Corvette, die den hoch angesetzten Erwartungen entsprach.
Nach unzähligen Telefonaten und etlichen Kilometern schien eine entsprechende Vette gefunden zu sein.
Das Schmuckstück stand allerdings ca. 800 Km entfernt in Bremen. Doch Sehnsucht kennt bekanntlich keine Entfernungen. Nach Aussage des Besitzers ein absolutes Zustand 1 Auto. Also – Überführungskennzeichen, Kohle und gute Laune eingepackt und ab in Richtung „Fischland“.
Endlich angekommen stand sie da.
(Richtig wäre zwar „er“ - es heißt der Corvette – aber „die“ hört sich liebevoller und passender an)
Wir trauten unseren Augen nicht. Was uns der stolze Besitzer präsentierte war – gelinde gesagt Schrott; und das für 56.000,-- DM!
Der am Telefon als chromblitzend angepriesene Motorraum entpuppte sich als ölverschmierte Kohlenkiste, Türverkleidungen waren durch aufgeklebten Teppichboden ersetzt, die Tachonadel lag lose im Gehäuse, ganz zu schweigen von der Spraydosenlackierung.Nach einem entsprechenden Wortwechsel mit geballten Fäusten in den Hosentaschen fuhren wir erst mal in ein Cafe´ um uns abzureagieren.
Für uns stand fest, wir fahren nicht ohne Corvette nach Hause! In Bremen oder Hamburg müsste doch etwas ordentliches zu finden sein.
Der Zufall wollte es, dass in dem Cafe‘ eine Automobil-Zeitschrift lag.
Wir blätterten und fanden eine unscheinbare 3-zeilige Anzeige, in der eine Corvette angeboten wurde.
Bei einem Telefonat mit dem Inserenten (die Vorwahl kam uns ziemlich heimisch vor) meinte dieser nur ganz trocken: „Die Corvette steht auf einem weißen Teppichboden in einer klimatisierten Garage in Karlsruhe – schaut sie Euch an, am Telefon erzählen kann ja schließlich jeder viel, aber sie ist wirklich top!“Wie recht der Mann doch hatte. Auf Telefon-Märchen hatten wir wirklich keinen Bock mehr.
Also von Bremen Richtung Heimat („Richtgeschwindigkeit“ was ist denn das?) Kreuz und quer durch Karlsruhe in einen Nebenort.
Endlich angekommen führte uns der nette Besitzer in sein Wohnzimmer – von dort direkt durch eine Türe in – ja in die Garage. Wir schauten an was da stand, dann uns gegenseitig in die funkelnden Augen und stammelten fast gleichzeitig „gekauft“. Nach einer Stunde waren wir mit unserer neuen Errungenschaft auf der Autobahn Richtung Heimat. Der Mann hatte nicht zuviel versprochen. Kein Tropfen Öl im Motorraum, sämtliche Wartungs- und Teilrestaurierungsbelege mit Belegen und Fotodokumentationen waren vorhanden. Die Vette war wirklich fit und wie sich später herausstellte, zudem die fünftletzte gebaute 77er mit senkrecht stehender Heckscheibe.
Nur eins störte uns nach einiger Zeit der Euphorie. Der Originalmotor war Marke „Benzinkrise“. Da mußte etwas anderes her – mit Biss und Dampf. Und – wenn schon – denn schon! Also die Lackierung könnte man ja auch noch....Mir war bekannt, dass Peter Mocnik aus Auggen ein „Ami-Lackier-Guru“ ist. Selbst Corvette-Fan und Corvette Besitzer. Damit ging es richtig los. Rot sollte sie werden. So ähnlich wie die von Peter selbst.
Aber nicht einfach rot, sondern ein einmaliges Rot.
Hier zeigte sich die Erfahrung der Fa. Mocnik was Kundenberatung, Individualität, Design anbelangt.Peter mischte unzählige Rot-Töne selbst ab und wir hatten die Qual der Wahl. Der Auftrag wurde erteilt. Doch wenn schon Lackierung – dann auch Motor und Getriebe und und und....
Wir gaben bei „Frankie’s – Garage“ im Allgäu einen Motor und ein Getriebe in Auftrag.
Frankie fährt seit Jahren selbst bei der STT (Spezial-Tourenwagen Trophy) mit seinenV 8 Motoren ganz vorne mit. Er baute uns einen straßentauglichen „Ableger“ seines erfolgreichen Rennmotores. Um die 500 PS statt 180 Serien-PS verlangten natürlich auch nach entsprechendem Fahrwerk und Bremsen und 750er Vergaser und Hooker Krümmern und direkt angeschlossenen Sidepipes und und und und........Der nagelneu aufgebaute Motor und das Getriebe wurden bei Mocnik angeliefert, dort samt Getriebe in die inzwischen funkelnd, schillernde Karosserie eingebaut. „Frankie‘s Garage“ lies es sich allerdings nicht nehmen, aus Gewährleistungsgründen die Motoreinstellungen und den ersten Probelauf in eingebautem Zustand selbst vorzunehmen. Also – Zugfahrzeug gemietet, Corvette auf Hänger, bewundernde Blicke und offene Münder in vollen Zügen genossen und ab nach Marktoberndorf / Allgäu.
Nie vergessen wir das Gefühl, als Frankie den Motor zum Leben erweckte. Brüllend, schnorchelnd, giftig und böse hörte sich das an! Nach Abschluss der Einstellarbeiten waren einige Probefahrten angesagt. Brachiale Gewalt zerrte an der schönen Karosserie! Ich fuhr mit. Frankie – ein sehr erfahrener Rennfahrer verstand es ausgezeichnet, seinen Beifahrer ganz klein werden zu lassen und genoss den Anblick des kreidebleich, mit weichen Knien aussteigenden Beifahrers. Es war gewaltig wie das Auto am Gas hing.
Von diesem Zeitpunkt an waren die Wochenenden ständig verplant. Wir besuchten mit unserer Corvette unzählige US-Car Shows und Treffen in Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Holland, Belgien und Schweden. Es war ein schönes Gefühl, immer mit Pokalen nach Hause zu kehren. Bei diesen zurückgelegten Strecken zeigte sich, dass der Kraftprotz unter der Haube wirklich alltagstauglich ist.
Technische Daten ~ Basis: Chevrolet Corvette ~ Motor:
V8, 5.935 ccm neu aufgebaut von „Frankies Garage in Marktoberndorf, 4-bolt Block, Bohrung/Hub 102,36x88,4 mm, mit Vorspannplatte gebohrt und gehohnt, Ölversorgung optimiert, feingewuchteter Kurbeltrieb mit geschmiedeter Stahlkurbelwelle, Schmiedekolben, modifizierte Nockenwelle mit Hochleistungs-Stösseln und Douplex Kette.
Mallory Zündung mit ölgekühlter Spule, Mallory Verteiler kontaktlos, Zündstromsteuerung über Infrarot-Lichtstrahl, Edelbrock 750cfm Vergaser, Edelbrock Performer Ansaugspinne, Hooker-Fächerkrümmer mit direkt angeschlossenen Sidepipes.